News-Meldung

des LandesSportBundes Niedersachsen

(v.l.) Reinhard Rawe, Dr. Jens Binner, Dr. Anton Weise, Apl. Prof. Dr. Dr. Bernd Wedemeyer-Kolwe und LSB-Referent Patrick Neumann.

- LSB startet historische Aufarbeitung

Fachkommission „Historische Aufarbeitung“ nimmt Arbeit auf – Ergebnisse für Mitte 2026 erwartet

Die Fachkommission „Historische Aufarbeitung“ des LandesSportBundes (LSB) Niedersachsen hat sich zu ihrer ersten Sitzung getroffen. Damit ist offiziell der Startschuss für den Aufarbeitungsprozess des Verbands gefallen.

Bereits im November 2024 hatte das LSB-Präsidium die Gründung der Kommission beschlossen. Ziel ist es, Kriterien zum Umgang mit ehemaligen LSB-Vorstands- bzw. Präsidiumsmitgliedern mit nachweisbaren Belastungen aus der Zeit des Nationalsozialismus zu formulieren. 

„Wir erwarten zudem Handlungsempfehlungen bezüglich erfolgter LSB-Ehrungen an Personen aus Sportvereinen, Sportbünden und Landesfachverbänden mit einer nachgewiesenen Mitgliedschaft in der NSDAP, SS oder SA“, erklärt der LSB-Vorstandsvorsitzende Reinhard Rawe. „Zu einem Rückblick auf die Geschichte des Sports in Niedersachsen gehört auch eine kritische Auseinandersetzung mit getroffenen Entscheidungen“.

Etwa 45 Personen betroffen

Von den früheren Vorstands- und Präsidiumsmitgliedern des LandesSportBundes, die Jahrgang 1927 und älter sind, sind etwa 45 Personen betroffen. Die Grundlage für die Arbeit der Kommission bildet ein Bericht des Sportwissenschaftlers und Historikers Prof. Dr. Lorenz Peiffer. Im Rahmen des Forschungsprojekts „Der Kicker in der Zeit des Nationalsozialismus“ war er auf eine Person gestoßen, die u.a. NSDAP-Mitglied und SS-Offizier war und später die „Silberne Ehrennadel“ des LandesSportBundes für langjährige Vereinsmitgliedschaft erhielt. Im Auftrag des LSB-Vorstands hatte er daraufhin eine systematische Durchsicht der Ehrenunterlagen vorgenommen und die Verdachtsfälle mit dem Bundesarchiv Berlin abgeglichen.

Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen der Fachkommission sollen Mitte 2026 vorliegen. Mitglieder der Kommission sind Apl. Prof. Dr. Dr. Bernd Wedemeyer-Kolwe vom Niedersächsischen Institut für Sportgeschichte, Dr. Anton Weise von der Leibniz Universität Hannover und Dr. Jens Binner vom ZeitZentrum Zivilcourage der Stadt Hannover.

Auch der Deutsche Olympische Sportbund hat inzwischen eine kritische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit gestartet. Gemeinsam mit den Sporthistoriker*innen, Dr. Jutta Braun (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam) und Dr. Berno Bahro (Department für Sport- und Gesundheitswissenschaft der Universität Potsdam) - sollen sowohl die formale NS-Belastung (NSDAP-Mitgliedschaften) sowie materielle Belastungen aufgearbeitet und 2026 publiziert werden. Um Sportvereine und -verbände bei einer rechtssicheren Aufarbeitung zu unterstützen, hat die Deutsche Sportjugend die Entwicklung einer Aufarbeitungsordnung in Auftrag gegeben. Eine solche Muster-Ordnung soll in naher Zukunft allen Sportvereinen und -verbänden zur Verfügung gestellt werden.

Kontakt: Patrick Neumann